IHK-Innovationspreis Fachkräfte 2026
Schotter- und Steinwerk Weißenburg bindet Fachkräfte „Hart aber herzlich“
Preisträger überzeugt durch geringe Fluktuation und steigende Bewerberzahlen

Die Schotter- und Steinwerk Weißenburg GmbH & Co. KG ist die Gewinnerin des IHK-Innovationspreis Fachkräfte 2026. Mit der Auszeichnung würdigt unsere IHK Unternehmen, Institutionen und Initiativen, die mit kreativen und wirksamen Ideen Fachkräfte gewinnen, binden und qualifizieren. Der diesjährige Innovationspreis wurde im Rahmen der Jobmesse „InkluJob 2026“ im „Sportpark Ronhof | Thomas Sommer“ überreicht.
Die Preisträgerin Schotter- und Steinwerk Weißenburg GmbH & Co. KG zeigt mit ihrem Konzept „Hart aber herzlich – Team SSW“ (www.hartaberherzlich-ssw.de) nach dem Urteil der Jury, wie Fachkräftesicherung auch in einem körperlich anspruchsvollen Arbeitsumfeld gelingen kann. Das Weißenburger Unternehmen mit rund 100 Beschäftigten setzt nicht auf kurzfristige Recruiting-Aktionen, sondern auf eine glaubwürdige Arbeitgebermarke, bessere Führung und mehr Wertschätzung im Arbeitsalltag.
Zur Initiative gehören unter anderem ein regelmäßiger Führungskräfte-Arbeitskreis („Taktschmiede“), Familienfeste, Gesundheitstage und Exkursionen. Außerdem werden die Mitarbeiter zu Rückmeldungen ermutigt und viele Anregungen umgesetzt – etwa Hitzeschutzfolien in Baumaschinen, Kühlwesten im Steinbruch oder ergonomische Anpassungen.

Eine Steinbruch-Ralley, Baumaschinen zum Entdecken und ein Abschluss-Konzert: Zum „Hart aber herzlich“-Projekt gehören auch Events wie der Erlebnis- und Familientag im Juli 2025. (Foto: SSW)
Die Wirkung ist messbar: Die Zahl der Bewerbungen stieg von 15 im Jahr 2024 auf 55 im Jahr 2025 und 48 bis April 2026. Zugleich nahmen Empfehlungen aus der eigenen Belegschaft deutlich zu.
„Damit macht SSW sichtbar, dass eine ehrliche, gelebte Unternehmenskultur ein wichtiger Hebel sein kann, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden“, so die Jury.
Zudem würdigte die Jury die Personalaktivitäten dieser vier nominierten Unternehmen:

CNC Dreherei Beck GmbH, Bechhofen
Wie internationale Talente im Mittelstand zu lokalen Fachkräften werden, zeigt die CNC-Drehen Beck GmbH aus Bechhofen. Der Betrieb mit 36 Beschäftigten bildet junge Menschen aus dem Ausland gezielt zu Zerspanungsmechanikerinnen und -mechanikern aus und begleitet sie weit über den Ausbildungsstart hinaus. Die jungen Menschen werden intensiv bei Alltagsthemen unterstützt (Bereitstellung einer Wohnung mit Erstausstattung, Behördengänge, Einrichtung des Bankkontos etc.). Seit sieben Jahren sichert das Unternehmen seinen Fachkräftebedarf nahezu vollständig über die eigene Ausbildung internationaler Nachwuchskräfte. „So entsteht aus Recruiting echte Integration“, urteilte die Jury.

DOTLUX GmbH, Weißenburg
Mit dem „LightUp Festival“ hat die DOTLUX GmbH aus Weißenburg ein neues Format zur Fachkräftesicherung entwickelt: An zwei Tagen brachte der LED-Hersteller Unternehmen, Fachkräfte und Entscheider aus der Region zusammen. Zehn praxisnahe Keynotes zu moderner Führung, Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und Social-Media-Recruiting wurden mit intensivem Networking verbunden. Ziel ist es, den Mittelstand im ländlichen Raum als attraktiven Arbeitgeber sichtbarer zu machen und die regionale Zusammenarbeit zu stärken. Die Resonanz fiel nach Angaben des Unternehmens sehr positiv aus: Die Teilnehmenden bewerteten das Festival sehr gut, DOTLUX will das Konzept deshalb 2027 fortführen und weiter ausbauen.

Bezirkskliniken Mittelfranken, Ansbach
Mit dem Projekt „Hunde am Arbeitsplatz“ zeigen die Bezirkskliniken Mittelfranken in Ansbach, wie Arbeitgeberattraktivität im Gesundheitswesen neu gedacht werden kann. Seit 2023 können Mitarbeitende ihre Hunde unter klar geregelten Voraussetzungen mit in die Klinik bringen – und zwar auch in patientennahe Bereiche. Was in Büros mancher Start-ups bereits bekannt ist, setzt der Klinikverbund in einem besonders sensiblen Umfeld strukturiert um: mit Dienstvereinbarung, Antragsprozess, Hygieneregeln und enger Einbindung von Führungskräften, Hygienefachkräften und Personalrat. Inzwischen sind mehr als 80 Hunde an den Standorten der Bezirkskliniken präsent. Eine interne Befragung mit bereits über 1 100 Rückmeldungen zeigt eine breite Akzeptanz, eine positivere Arbeitsatmosphäre und eine spürbare Stressreduktion im Arbeitsalltag. Im nächsten Schritt überlegen die Bezirkskliniken, die Ausbildung privater Hunde von Mitarbeitenden zu zertifizierten Therapiehunden zu unterstützen. Dies soll insbesondere jungen Patientinnen und Patienten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zugutekommen.

REWE Pascal Kneuer oHG, Nürnberg
Fachkräfte sichern, dies bedeutet bei der REWE Pascal Kneuer oHG mehr als neue Mitarbeitende zu gewinnen. Das Unternehmen mit Märkten in Nürnberg-Boxdorf, Erlangen und Heroldsberg setzt auf Nachwuchsförderung, Weiterbildung und eine Unternehmenskultur, die Menschen langfristig im Betrieb hält. Besonders sichtbar wird dieser Ansatz am Beispiel gelebter Inklusion: Im REWE-Markt Nürnberg-Boxdorf zeigt die Zusammenarbeit zwischen Unternehmer und einem Mitarbeitenden mit Behinderung, wie Teilhabe im Arbeitsalltag praktisch gelingen kann. Die Maßnahme verbindet Personalentwicklung mit Wertschätzung und sozialer Verantwortung.
Die neunköpfige Jury, die aus Mitgliedern des IHK-Fachausschusses für Fachkräftesicherung bestand, hatte aus den 14 Bewerbungen in einem zweistufigen Prozess zunächst die fünf nominierten Bewerber und nach einem Pitch der Projekte vor der Jury und dem IHK-Fachausschuss schließlich den Sieger ausgewählt
Entscheidend für Nominierung und Preisvergabe waren drei Kriterien:
- Kreativität und Alleinstellungsmerkmal
- Nachhaltigkeit und messbare Wirkung der Maßnahmen
- Übertragbarkeit auf andere Betriebe oder Branchen.
„Damit rückt der Preis nicht nur einzelne Erfolgsbeispiele ins Licht, sondern macht praxisnahe Lösungen sichtbar, die auch anderen Unternehmen in Mittelfranken Impulse für eine moderne Fachkräftesicherung geben können“, so IHK-Chefvolkswirt Dr. Udo Raab.